#298 Renas Sido – Als syrischer Kurde in Deutschland
Shownotes
"Wir haben es geschafft!" sagt Renas Sido - und meint mit "wir" die Deutschen und die Geflüchteten. Als syrischer Kurde ist er im so genannten Flüchtlingssommer 2015 über die Balkanroute gekommen und fühlt sich heute als deutscher Kurde. Denn längst spricht Renas fließend Deutsch, hat einen Job im sozialen Bereich und fühlt sich in Neuss am Niederrhein zu Hause.
Dass es mit seiner Integration so gut gelaufen ist, sagt er, verdankt er maßgeblich der "Aktion Neue Nachbarn", der Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln. Denn katholische Flüchtlingshelferinnen haben ihm gerade am Anfang sehr geholfen.
Heute will Renas Sido selbst Deutschland etwas zurückgeben und setzt sich für ein besseres Miteinander der Menschen hier ein. Er berät andere Geflüchtete, arbeitet für eine inklusive Gesellschaft und auch für den Dialog zwischen arabischstämmigen Jugendlichen und Juden. Dass sich die Stimmung Migranten und Asylantinnen gegenüber in den letzten Jahren stark verschlechtert hat, schmerzt ihn sehr.
Auch was er populistischer Hetze entgegensetzt, erzählt Renas Sido in der neuen Folge von "Himmelklar".
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00:00:09: Zurückgeben möchte ich auf jeden Fall helfen.
00:00:12: Also steuern zahle ich sowieso, aber das ist nicht das was für mich zählt sondern was für mir zählt es ist diese Menschlichkeit die uns am Anfang und bis heute noch teilweise begegnet wird möchte ich sie zurückgeben.
00:00:25: und da gucke ich nicht welche Hautfarbe, gerade vor mir steht oder welche Haarfarbe oder welche Name oder welche Glaube.
00:00:30: Da guck ich welcher Mensch das ist und sage hier meine Hand Ich kann dir helfen.
00:00:35: wie auch immer!
00:00:36: Da mache ich keine Ausnahme weil wenn du etwas Gutes bekommst musst du wieder zurück geben damit du das wiederbekommst.
00:00:42: Und so lebst du immer.
00:00:43: Du gibts was Gutes und du kommst es wieder zurück.
00:00:45: und ich denke Wenn wir alle so leben würden dann gibt's auch keinen Platz für etwas Böses.
00:00:53: Herzlich willkommen bei Himmel.
00:00:54: klar mit mir Hilde Regenita einer neuen Mutmacher Geschichte und einem Gast der wirklich ganz, ganz viel geschafft hat.
00:01:02: Er ist zwei tausend fünfzehn als Geflüchteter aus Syrien nach Deutschland gekommen.
00:01:06: heute hilft er anderen und zwar längst nicht nur Geflüchteten.
00:01:11: Er arbeitet für einen gemeinnützigen Verein hat ein Buch über seine Flucht und seinen Ankommen geschrieben und sagt ja ich habe es geschafft.
00:01:18: herzlich Willkommen Renas.
00:01:20: Sido toll dass du da bist.
00:01:21: Vielen Dank für die Einladung.
00:01:22: Ich freue mich schon.
00:01:24: Renas, du bist damals in diesem sogenannten Flüchtlingssommer-Zweißen-Fünfzehn mit dem Schlauchboot aus der Türkei und dann weiter über die Balkanroute nach Deutschland gekommen und am Ende in Neues gelandet?
00:01:35: Da hast Du mit großer Mühe letztlich auch mit großem Erfolg Deutsch gelernt.
00:01:40: Und eine wichtige Rolle hat dabei die Aktion Neue Nachbarn gespielt, die Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln.
00:01:46: Du hast eine Ausbildung in der Logistikbranche gemacht und bist dann in den sozialen Bereich gewechselt.
00:01:51: heute arbeitest du im gemeinnützigen Verein AVP in Düsseldorf für eine inklusive Gesellschaft.
00:01:59: Ja und seitdem sich in deiner Herkunftsregion im Nordwesten Syriens die Situation zwischen den Kurden und der syrischen Regierung zugespitzt hat, gehst du auch viel auf Demos für die Rechnung, die Freiheit der Kurden in Syrien.
00:02:11: Bevor wir tiefer einsteigen in all das habe ich erstmal drei Fragen an dich.
00:02:17: was glaubst Du?
00:02:18: Ich glaube an die Menschheit!
00:02:21: In erster Linie natürlich an Gott Und ja wie gesagt an die Menschenheit.
00:02:25: Was liebst
00:02:26: Du?!
00:02:26: Ich liebe helfen.
00:02:27: Ich liebe einfach so bedienungslos zu helfen und ich freue mich, wenn ich dabei auch die Gesellschaft aber auch die Menschen stärken kann und an sich selbst glauben lassen kann.
00:02:38: Was hoffst du?
00:02:39: Ich hoffe Frieden.
00:02:41: Mehr will ich nicht.
00:02:41: Frieden für alle Menschen auf diesen Erden Die mit unterschiedlichen Religionen oder Glauben leben Mit unterschiedlicher Götter oder Propheten was auch immer.
00:02:51: Frieden Für Alle.
00:02:53: Das ist das Allerwichtigste für mich und das ist meine beste Hoffnung.
00:02:55: Und das lässt mich auf jeden Fall weiter so, sag ich mal hartnäckig
00:03:00: leben.".
00:03:01: Renas Sido zu Gast bei Himmel klar heute.
00:03:03: Renas vor über zehn Jahren bist du aus Syrien nach Deutschland gekommen?
00:03:07: Und weil es im vergangenen Sommer genau zehn Jahre her war dass die damalige Kanzlerin Merkel ihren berühmten Satz wir schaffen das gesprochen hat bist Du Im vergangenen Sommer auch immer mal wieder gefragt worden, hast du es denn geschafft?
00:03:21: Bist du denn angekommen?
00:03:23: und du hast dann immer gesagt ja klar.
00:03:25: Warum was genau hast du geschafft?
00:03:28: Ich sage jetzt noch einmal wir haben es geschafft.
00:03:30: und warum ich auch wir sage damit meine ich nicht die Geflüchteten sondern auch die deutsche Gesellschaft.
00:03:35: Wir haben es geschafft, weil der größte Teil von uns beruftätig ist.
00:03:40: Weil wir auch teilweise hier zu Hause fühlen.
00:03:43: Und wir haben es geschafft, weil wir anhand zusammenpacken und dann auch für das Land, für Deutschland, die Menschen in Deutschland leben unabhängig davon wie sie aussehen oder welchen Glauben sie haben.
00:03:56: Wir packen zusammen und bringen es nach vorn.
00:03:59: Das ist für mich... Wie man soll nicht immer das Negative daraus nehmen kann oft sehr, sehr groß und viel mehr gut bewirken in Gegensatz zu dem Negativen.
00:04:11: Und deswegen wir haben es definitiv
00:04:13: geschafft.".
00:04:14: Und das kann inspirierend sein für viele andere die vielleicht noch in einem Prozess stecken!
00:04:18: Wenn du dich vorstellst dann sagst du oft ich bin ein syrischer Kurde.
00:04:22: fühlst du dich denn heute auch als ein deutscher Kurde?
00:04:24: Also definitiv kann ich auf jeden Fall auch so offen sagen.
00:04:28: Ich fühle mich tatsächlich auch sogar mehr ein deutscher Kurde als ein syrischer Kurde, weil in Syrien war es und immer noch kurdisch zu lernen oder kurdlich zu sprechen so gesehen verboten.
00:04:40: also das wurde nie akzeptiert und man war immer mit Diskriminierung konfrontiert.
00:04:46: In Deutschland verlangt von mir aber niemand dass ich meine Muttersprache vergesse oder auch verneine.
00:04:51: Von daher bin ich ein deutschter Kurde mehr.
00:04:54: Und was auf den ersten Hinhörer ja sofort auffällt, dass du heute richtig gut Deutsch sprichst und du sagst die Sprache ist tatsächlich auch der Schlüssel.
00:05:03: Der Schlüssel zu allem!
00:05:04: Warum meinst Du das?
00:05:05: Also ich stelle mir das so vor wenn ich irgendwo in Syrien einen Deutschen sehen würde und er mit mir dann auf Deutsch sprechen würde.
00:05:12: Ich kann diesen Menschen überhaupt nicht helfen.
00:05:14: Er wird auch selber in diesem Land nicht weiterkommen.
00:05:17: Er würde keine Chance haben öffnet man sich alle Türen, die Türe zur Gesellschaft.
00:05:23: Die Türe zu der Berufswelt quasi sage ich mal.
00:05:27: Die Tür zu Glaube auf einer anderen Sprache, die Tür in die Gesellschaft halt miteinander zu agieren, miteinander zu bauen.
00:05:35: wie auch immer also... Die Sprache ist das A und O. ohne der Sprache kommen wir wirklich nicht weiter.
00:05:40: Also das brauchen wir alle!
00:05:42: So
00:05:42: ist es und du kannst jetzt eben hier in einem Podcast sitzen und auf Deutsch über deine Flucht, über dein Leben, über deinen Ankommen erzählen.
00:05:49: Ganz am Anfang war das natürlich anders.
00:05:52: da bist Du in Deutschland angekommen, kannte das Land nicht die Sprache nicht was auch erst noch allein unterwegs.
00:05:59: aber als wir damit vielen anderen zusammen mit dem Zug in München angekommen bist eingefahren bis in den Bahnhof Da haben euch die Leute zugejubelt und geklatscht.
00:06:08: Was war das damals für ein Gefühl?
00:06:09: Also daran erinnere ich mich heute noch gern, immer wieder oder wenn ich danach gefragt werde erzähle ich das immer mit einer großen Freude.
00:06:16: im Gegensatz zur aktuellen Situation oder gesellschaftliche Spaltung sage ich mal Die Gefühle sind so unbeschreiblich schön weil wir haben gedacht Wir werden dann halt so ein bisschen anders behandelt Oder wir werden einfach nur als Geflüchtete So wie waren immer in anderen Ländern und nicht so, ne?
00:06:36: Nicht wie die Einheimischen sag ich mal.
00:06:38: Und als wir in München dann ankamen und so viele Menschen vor dem Bahnhof oder vor dem Hauptbahnhof uns im Empfang genommen haben und uns zugejubelt haben Süßigkeiten verteilt haben also man hat uns Zigaretten verteilt an diejenigen die rauchen.
00:06:53: und ich habe mir gedacht so wow!
00:06:54: Wie kann die Menschlichkeit soweit forkgeschritten sein obwohl Ein paar Grenzen vorher, die übelste Unmöglichkeit erlebt habe?
00:07:03: und hier empfängt man mit uns so.
00:07:05: Und das war quasi mein Antrieb.
00:07:07: Ey ich bin hier richtig!
00:07:09: Ich will es
00:07:09: schaffen.".
00:07:10: Ja so war das damals im Sommer-Zwischen-Jahr.
00:07:12: Das war sie, die später auch viel zitierte Willkommenskultur.
00:07:18: Um zu verstehen, wie das damals war und wie es dann geworden ist, müssen wir tatsächlich noch mal zurückgehen.
00:07:23: Und weil wir nicht so viel Zeit haben machen wir das im Zeitraffer.
00:07:26: also erst einmal warum musstest du überhaupt dein Land?
00:07:28: Warum musstest Du Syrien verlassen?
00:07:30: Tatsächlich vor dem Krieg, ich wollte schon immer Syrien verlassen, weil ich dort nicht so leben konnte, wie ich mir das vorgestellt habe in meinem Leben.
00:07:39: Ich wollte immer Breckeninzer sein zum Beispiel.
00:07:41: Ich war offen für alles.
00:07:43: Ich hatte christliche Freunde.
00:07:44: Ich hab sie immer besucht Wir waren zusammen Kürche eingeladen und das war für mich alles so etwas Schönes, eine andere Welt sage ich mal kennenzulernen.
00:07:53: Aber durch auch die Gewalt in der Schule, die Gewalz in der Gesellschaft habe ich mir immer irgendwann gedacht Ich möchte hier weg nicht weil halt Syrien jetzt damals nicht mein Heimat war sondern ich wollte woanders was anderes auch sehen und anfangen Und dann, um den Kriegsausbruch zu kommen.
00:08:12: Da haben meine Eltern gesagt, Renners Militäreinzug kommt bald.
00:08:16: Entweder wirst du auf Menschen schießen müssen und wenn du Nein sagst, wirst Du erschossen.
00:08:21: Der einzige Weg für uns war aus Syrien zu fliehen, aus dem Militär auch weg zu fliegen.
00:08:26: Dementsprechend hat es zum Glück geklappt und heute bin ich in Deutschland.
00:08:31: Du bist, wie du erzählt hast, erst mal aus Syrien weg.
00:08:35: Warst dann wirklich in der ganzen Reihe verschiedener Länder – in Jordanien, in Ägypten, im Libanon und in Libyen, im Irak und im Jahr zwei Tausend Fünfzehn.
00:08:44: Bist du dann eben weiter von der Türkei aus diesen finalen Weg nach Deutschland?
00:08:49: Und zwar genau so, wie wir das ja auch so oft gehört und gesehen haben nämlich erstmal mit dem Schlauchboot!
00:08:55: Das stelle ich mir jetzt wirklich furchtbar, wirklich auch traumatisierend vor, mit viel zu vielen Leuten insam... kleinen fragilen Schlauchboot auf dem offenen Meer.
00:09:03: Wie war das?
00:09:04: Also, das kann ich eigentlich in zwei Wörtern auch befassen entweder sterben oder leben.
00:09:09: Das war was wir vor uns gesehen haben.
00:09:12: Wir haben keinen Märkten gesehen Wir haben keine Grenze gesehen Wir hatten kein Schlauchtboot gesehen.
00:09:16: Das Einzige was in unseren Augen war Entweder werden wie es überleben Oder wir sind gleich tot Und die Fahrt von der Türkei mit dem Schlautboot bis nach Griechenland War wortwörtlich sterben oder leben.
00:09:30: wir kamen an einem punkt wo die schleuser und die küstenwache mit uns halt quasi so ein spielchen gespielt haben.
00:09:36: der einen haben uns ins wasser geschickt den anderen haben uns zurückgeschickt und immer wieder wurde ins wasser geschossen damit wir halt ein bisschen angst hatten.
00:09:43: und an einem moment habe ich mir gedacht so ey warum so viel leid?
00:09:47: da hab ich zu gott geschaut und gesagt so Gott.
00:09:50: Der einzige und schnellste Weg jetzt, diesen Leid hier sich zu ersparen mit so vielen weinenden Kindern und Frauen.
00:09:56: Und auch schreienden Männern wäre eigentlich Kenntan und Sterben.
00:10:00: das wäre die schnelleste Lösung um nicht so viel zu leiden.
00:10:04: aber dann habe ich auch mir gedacht Ich lasse hinter mir Menschen, so wie meine Schwester und wenn ich dann sterbe oder wir dann sterben sind sie für das ganze Leben bestimmt unglücklich.
00:10:15: Und da war mein Punkt halt so.
00:10:16: ne nochmal Hoffnung nochmal Energie.
00:10:19: Gott bitte hilf uns das zu schaffen.
00:10:20: und tatsächlich kamen wir dann rüber bis nach Griechenland.
00:10:24: also ich könnte glaube ich fünf sechs Podcast folgen darüber mit dir drehen um dir die Situation wirklich so zu schildern wie Sie in dem Moment in dem moment war kann aber nur sagen, ich war der glücklichste Mensch als wir dieser Fahrt geschafft haben und danach habe ich mir gedacht jetzt kann alles passieren.
00:10:40: Jetzt bin ich hoffentlich auf der sicheren Seite.
00:10:43: Denkst du noch oft an diese Fahrt zurück?
00:10:45: Tatsächlich.
00:10:46: Das ist das Schrecklichste, was mir immer wieder in den Kopf kommt.
00:10:50: aber um das zu vergessen möchte ich irgendwann mal wenn ich einen deutschen Pass habe diese Fahrte wieder machen also wieder durchgehen ohne jetzt illegal zu sein sondern mit einem pass um einfach diesem weg wiederzusehen und vielleicht so auf diesen wegen so auch zu vergessen.
00:11:07: dann Du hast es geschafft bist angekommen Dann ging's weiter nämlich auf der Balkanroute warst du unterwegs.
00:11:13: Das war wirklich auch eine echte Odyssee durch mehrere europäische Länder bis nach Österreich, zu Fuß mit Bussen ganz unterschiedlich und dann eben am Ende mit dem Zug nach Deutschland.
00:11:26: Wie hast Du das durchgehalten?
00:11:27: Woran hast Du Dich in dieser Zeit hoch gehalten?
00:11:30: Und
00:11:30: das war die Hoffnung auf Frieden und ein besseres und schöneres und gerechteres Leben.
00:11:35: sag ich mal Wir hatten Kinder und Frauen dabei und wenn wir sie angesehen haben oder angeschaut haben haben wir uns gedacht, nicht weil sie jetzt nicht stark waren sondern wir waren alle so ein als eine Einheit und wir wollten uns alle gegenseitig unterstützen.
00:11:49: Und von daher stand für uns ganz oben Wir halten zusammen bis wir das Ziel erreichen.
00:11:53: aber was das Ziel für uns war wussten wir eigentlich nicht ob es Deutschland sein wird oder Dänemark oder Frankreich was auch immer.
00:12:00: wir wollten einfach nur raus und irgendwo sicheres ein sicheres Leben finden.
00:12:05: So könnten wir quasi durchhalten Ich glaube so circa zwanzig Tage bis nach Deutschland, wie du gesagt hast.
00:12:11: Busse, Bahnen zu Fuß also wirklich zu Fuß und sehr lang zu Fuß ohne Wasser.
00:12:17: aber zum Glück haben die Menschen uns unterwegs dann immer wieder so den Einheimischen geholfen.
00:12:22: da haben wir es auch geschafft sage ich mal so.
00:12:24: Und das ging dann ja noch weiter?
00:12:25: Du bist in München gelandet.
00:12:27: Konntest du es kaum fassen?
00:12:28: Wir haben das gerade gehört!
00:12:30: Wir springen jetzt einfach ein bisschen und sagen dass du nach einigen Stationen tatsächlich in Neues gelandete bist Und zwar dann auch endlich wieder mit deiner Familie zusammengekommen ist.
00:12:40: Deine Eltern waren glaube ich da Geschwister, wie erleichtert war das für dich nicht mehr alleine sein?
00:12:45: Das war auf jeden Fall.
00:12:47: für uns stand ja immer so dieser Zusammenhalt also zusammen zu sein, zusammenzubeleiben sich zu unterstützen.
00:12:52: und als ich dann mit meinen Eltern und alle zusammen hier in Neues vereint war, das war auch etwas wie genau dieses dieser Moment in München aber immer noch ein bisschen kleinem Bruch weil meine Schwester zurückgeblieben ist in Syrien geblieben, wenn mit ihrem Mann und ihrem Sohn.
00:13:08: Ich sag mal so die Freude ist bis heute immer noch nicht so hundertprozentig da.
00:13:12: aber solange sie in Sicherheit ist dann sind wir auch froh und glücklich darüber.
00:13:17: Ihr also alle die Mitglieder deiner Familie die dann erneu es waren ihr musstet euch dann wirklich mühsam akklimatisieren in diesem total anderen Land mit der ganz ganz anderen Kultur.
00:13:29: was ist dir in dieser ersten Zeit in Deutschland?
00:13:32: Am schwersten gefallen, was hast du vielleicht auch vermisst?
00:13:34: Also am schwersten war die Bürokratie.
00:13:37: Vermisst habe ich immer die Erinnerungen an unser Zuhause.
00:13:41: Ich sage mal so weil Kindheit ist für mich leider nicht so etwas Schönes.
00:13:45: wie gesagt Schule oder in der Gesellschaft als Kurde ein bisschen zu leben war jetzt nicht so ganz einfach und schön.
00:13:52: aber Zu Hause mit meiner Familie das ist das meiste was ich noch bis heute auch so vermisse unter einem Dach Kinder oder als wir Jugendliche waren Dieser Zusammenleben, Vater kommt aus der Arbeit.
00:14:05: Mutter kommt von der Arbeit die kochen wir helfen unterstützen essen zusammen gucken eine Serie und ja also das war anders.
00:14:14: und seitdem dass nicht mehr da ist haben wir auch das nicht mehr so erlebt wie es mal war.
00:14:18: ihr wart dann in neues angekommen habt glaube ich irgendwann auch eine eigene Wohnung bekommen
00:14:22: ne?
00:14:22: Ja das stimmt.
00:14:23: also wir haben nach paar Monaten zum glück als ich auch meine Ausbildung angefangen habe direkt auch eine Wohnung gefunden wo wir alle zusammen gelebt haben.
00:14:31: Ich meine, ich war dort mit meinen Eltern noch zwei Jahre und irgendwann habe ich dann beschlossen eine eigene Wohnung zu finden.
00:14:39: Und das hat dann geklappt und wir wurden immer noch quasi paar Straßen voneinander weg entfernt.
00:14:46: aber trotzdem sehen wir uns auch was täglich.
00:14:48: Wir müssen jetzt über eine Frau sprechen die dann in dein Leben gekommen ist.
00:14:52: es war ziemlich am Anfang auch als du neu warst in Deutschland.
00:14:56: Ines Kohländer heißt sie von der Aktion Neue Nachbarn, also der Flüchtlingshilfe im Erzbistum Köln.
00:15:02: Wie habt ihr euch getroffen?
00:15:03: Also Ines kam ziemlich am Anfang ins Flüchtlingsheim und wollte ihren amtlich Menschen helfen.
00:15:08: Sie hat immer wieder gefragt, wenn ihr Briefe bekommt kann ich euch unterstützen.
00:15:12: Und dann hat es ja auch am Anfang gesagt wer Deutsch lernen möchte, kann nicht gerne unterstützen.
00:15:18: Wir haben so eine kleine Gruppe gebildet die sich zwei bis drei Mal in der Woche mit Innes getroffen haben nach und nach habe bekommen und wir haben jeden Tag quasi geschrieben.
00:15:28: Wir haben jeden tag miteinander gesprochen, nicht jeden Tag aber in der Woche so oft uns getroffen und das war mein Antrieb.
00:15:36: so.
00:15:37: sie hilft uns einfach ohne irgendetwas zu erwarten und wir müssen wirklich dann diese Hilfe ernst nehmen und annehmen und auch irgendwann später wieder vielleicht irgendwie zurückzugeben.
00:15:50: und ihnen ist es heute meine deutsche Mutter Obwohl meine kurdische Mutter auch in Deutschland ist, sage ich zu ihnen immer meine deutsche Mutter.
00:15:57: Weil sie mit der Sprache, mit der Bürokratie... Also Bürokratee ist ein anderes Thema.
00:16:03: Du hast eben gefragt was am Anfang schwer war natürlich Bürokritie.
00:16:06: die hat uns etwas verrückt gemacht.
00:16:08: Wir wussten nicht wo wir was anfangen sollen und das enden soll und welche Ämter zuständig für irgendetwas sind.
00:16:15: Mit einem Dolmetcher ohne Dolmetscher wie geht das?
00:16:17: Wie läuft es?
00:16:18: Was muss ich hier schreiben?
00:16:21: Das war wirklich leider ein Punkt für uns, wo wir immer wieder verzweifelt waren.
00:16:25: Aber danke solchen Menschen wie Ines die immer uns beistanden haben wir alles dann halt trotzdem geschafft.
00:16:31: Hast du das verstanden dass Ines Kohlender von dieser Aktion Neue Nachbarn kam?
00:16:35: Dass das was von der katholischen Kirche war war euch das bewusst?
00:16:38: also von Anfang an noch nicht aber nach und nach als wir dann zusammen mit der Aktion neue Nachbaren auch Aktionen gemacht haben oder eingeladen wurden als so zwei Gesichter für Integration, oder für Anpassung.
00:16:50: Oder auch für Deutsch lernen was auch immer war mir dann wirklich klar okay womit wir jetzt beschäftigt sind und wer uns dann doch wirklich unterstützt?
00:16:59: Und an der Stelle musste ich auch die Aktion Neue Nachbarn sowas vom Herzen danken.
00:17:04: sie habe mich auch mit deren Veranstaltungen oder Aktion mit denen ich da etwas machen könnte oder durfte noch mehr unterstützt oder noch mehr Energie gegeben.
00:17:13: weiter zu
00:17:14: Das klingt jetzt alles irgendwie so easy-peasy, als wäre das einfach so gegangen.
00:17:18: Aber natürlich stimmt es nicht!
00:17:20: Das ist jetzt hier der Schnelldurchgang von den Wirklichkeit weil da ist alles ganz schön mühsam und langwierig.
00:17:26: Du hattest es ja dann geschafft diesen Ausbildungsplatz zu bekommen super Sache.
00:17:31: aber du hast auch eine echte Krise gehabt einen echten Hänger und zwar so schlimm dass du gedacht hast ne ich schmeiß das alles hin das geht so nicht weiter Und dass du das nicht gemacht hast.
00:17:40: am Ende Großes Glück natürlich, das hatte wieder mit Ihnen es zu tun.
00:17:44: Ja das stimmt auf jeden Fall.
00:17:45: und zwar, dass war.
00:17:47: während meiner Ausbildung nach dem ersten Lehrjahr ging es mir ziemlich schlecht weil ich nicht so weiterkommen konnte mit all diesen Fachbegriffen.
00:17:55: Ich dachte ich kann Deutsch aber dann in der Berufsschule war ich wirklich auf einem schlechten Stand.
00:18:01: da hat mich mann aber unterstützt.
00:18:03: also die Mitschülerinnen und Mitschüler haben mich immer wieder unterstützt aber trotzdem war das so schwer.
00:18:08: ich habe alle diese Bücher vor mir oder Erhebten gesehen und hab mir gedacht oh Gott wie soll ich das schaffen?
00:18:13: alles auf Deutsch und dann ist es auch nicht mehr dieser Straßen-Deutsch wie wir sprechen, sondern das ist auf einem hohem Niveau.
00:18:20: Und da stehen Wörter von denen ich noch nie gehört
00:18:22: habe.".
00:18:23: Und ja, tatsächlich habe ich dann gesagt so ne.
00:18:25: Ich schmeiß alles hinter mir und wenn mein Chef mich als fester Mitarbeiter nehmen würde, würde ich das machen und nicht mehr die Ausbildung weitermachen.
00:18:34: Da schaltete sie sich dann in es ein und hat gesagt so Renas, dass wäre der größte Fehler für dich in Deutschland.
00:18:39: Du hast bis jetzt alles gut gemacht, gut geschafft!
00:18:41: Das wäre eigentlich dein erster Baustein hier in Deutschland etwas geschafft zu haben, die Ausbildung... Das war mir hier nicht so ganz klar, weil nebenbei liefen andere Probleme.
00:18:52: In Syrien wurde Afrin damals auch von der Türkei angegriffen.
00:18:56: Afrin ist deine Heimatstadt?
00:18:57: Genau,
00:18:58: das ist meine Heimat Stadt.
00:18:59: genau wie Neues.
00:19:01: Was in Neushalt fällt sind die Olivenbäume.
00:19:04: Die haben wir in Afrin auf jeden Fall.
00:19:06: Und genau Afrim wurde halt leider damals von der Türkei massiv angegriffen und es kam alles zusammen.
00:19:12: Und nochmal ja die Bürokratie, ich war für meine Eltern auch immer da und musste dann bei jedem Brief unterstützen und an die Berufsschule und die Arbeit, die Gesellschaft sich da und da anpassen.
00:19:23: Es war irgendwann zu viel, so dass Innes sich eingeschaltet hat und einen Psychologen angefragt hat.
00:19:29: Ich habe Marienas den kenn ich und so und so läuft es jetzt gerade bei ihm.
00:19:33: Würdest du mal helfen?
00:19:34: Und dann haben wir uns getroffen obwohl ich das nicht wollte.
00:19:37: aber Innes hat gesagt so komm mach das bitte für mich.
00:19:39: Wir haben diesen Psychologin damals getroffen und er hat mir gesagt Herr Sido erzählen sie alles Seitdem sie sich, so von all dem woran Sie sich erinnern bis heute.
00:19:48: Und ich hab Ihnen dann tatsächlich mein Leben erzählt.
00:19:50: und dann hat er mir am Ende gesagt so Herr Sido jetzt brauche ich selber einen Psychologen!
00:19:54: So heftig war das alles... ...und ich habe ihm gesagt so ja okay also es ist halt mein Leben ne?
00:19:59: Und nichts anderes kenne ich.. ..und dann hatte mir aber einen anderen Weg gezeigt hat gesagt so Renas es gibt zwei Lösungen entweder machst du das was ich dir sage oder wenn das nicht klappt dann verspreche ich dir eine andere Lösung zu finden und zwar in einem anderen Land vielleicht neu anzufangen.
00:20:18: Die erste Lösung war aber, alles aufzuschreiben was mir durch den Kopf ging Und das habe ich gemacht einmal zweimal dreimal und dann hab ich auch bemerkt dass ich Spaß daran habe und habe bemerkten die Dinge die in meinem Kopf immer wieder so durch gingen Ich bin sie halt so los geworden es ist alles auf Papier gelandet und dementsprechend habe ich nach drei Jahren mit Stolz sagen können oder damals sagen können ey ich habe meine Ausbildung geschafft Ich habe einen Buch veröffentlicht, ich bin sehr gut angekommen in die Gesellschaft.
00:20:48: Also danke Ihnenes!
00:20:49: Danke Herr Psychologe, danke Deutschland.
00:20:51: es läuft, es geht weiter.
00:20:52: Wir müssen nochmal ein Schritt zurück gehen denn das was du aufgeschrieben hast das war ja wirklich therapeutische Schreiben.
00:20:58: aber Du hast es schon gesagt da ist mehr draus geworden nämlich Ein echtes Buch bei einem echten Verlag In einer fremden Sprache geschrieben.
00:21:05: Autor Renas Sido.
00:21:07: Titel wo sind meine Olivenbäume?
00:21:10: Was erzählst du da?
00:21:12: Ich frage in dem Titel quasi nach meinem Zuhause, was ich eben erzählt habe.
00:21:16: Nach meiner Familie damals zusammen und natürlich auch nach den Olivenbäumen.
00:21:22: Den Afrin ist bekannt mit den Olimenbäume.
00:21:24: Wir haben soweit das Auge gucken kann, Oliwenheine die leider heute so in der Besatzung der neuen syrischen Übergangsregierung und damals halt sie hießen anders oder auch der Türkei Und ich wollte mit diesem Titel der Bäume verbinden, weil wir wurden entwurzelt und diese Bäume auch.
00:21:46: Sie waren auch vom Krieg betroffen, sie waren aber auch vom Vertreibung
00:21:49: betroffen.".
00:21:50: Ganz starkes Bild auf jeden Fall!
00:21:52: Ja und als das Buch da war... Da hast du viel Resonanz bekommen.
00:21:55: Du bist immer wieder zu Lesungen eingeladen worden natürlich auch von der Aktion Neue Nachbarn Aber längst nicht nur damit du deine Geschichte erzählst, aus dem Buch vorliest aber auch erzählt und deine Geschichte das können wir ja wirklich sagen ist in großen Teilen eben eine Erfolgsgeschichte.
00:22:12: Bist du damit zu so etwas wie einem Vorzeigeflüchtling geworden?
00:22:15: Ich höre das immer wieder.
00:22:17: ich weiß nicht ob ich das so irgendwie gerne sein möchte.
00:22:21: Ich denke, es gibt so viele Menschen die es wirklich geschafft haben in Deutschland aber auch in anderen Ländern und von daher ich würde nicht sagen so, ich bin einer derjenigen die wirklich gesehen haben wo lang es geht und wie man es schaffen kann.
00:22:35: und das haben wir dann gemeinsam geschafft weil Vorzeigeflüchtling wäre so als hätte ich das alleine alles geschafft.
00:22:41: Aber nein!
00:22:41: Ich hatte es nicht allein geschafft sondern viele Menschen Aus Deutschland, also viele Deutsche haben mich unterstützt.
00:22:47: Haben mich auf meinem Weg immer wieder korrigiert oder verbessert und das hat mir dann sowas von weiter geholfen dass ich dann zukünftig halt so sagen kann wir haben es geschafft und ich bin nicht der einzige der das geschafft hat auch Deswegen.
00:23:03: Ich
00:23:03: kann mir vorstellen, dass immer wieder auch Leute sagen ja du okay!
00:23:07: Du hast es geschafft aber hier die allermeisten Geflüchteten nicht.
00:23:10: Die legen uns hier auf der Sozialkasse und so weiter.
00:23:13: Deshalb ist das vielleicht tatsächlich auch ein vergiftetes
00:23:16: Kompliment.
00:23:17: Das ist immer wieder so.
00:23:20: man weiß nicht was damit gedeutet ist oder?
00:23:22: Und du hast das eben auch schon mal angedeutet.
00:23:25: Zwei Tausend Fünfzehn Willkommenskultur Begeisterung sehr viel Freundlichkeit.
00:23:32: Aber Das ist zehn Jahre her, über zehn Jahre.
00:23:35: und tatsächlich in diesen letzten Jahren die du hier bist hat sich das sehr verändert von der Willkommens-Kultur damals wirklich bis zu einer Art Abwehrkultur.
00:23:44: Wie schmerzhaft ist das für dich?
00:23:46: Das ist sehr schmerzerf.
00:23:48: Das ist traurig sage ich mal.
00:23:50: also ich könnte auch hier drüber sehr lange reden.
00:23:54: aber ich möchte einfach nur sagen Nicht nur uns in Deutschland geht es so.
00:23:58: Es ist gerade irgendwie weltweit und nicht nur gerade seit auch Jahren, weltweit eine Krise.
00:24:03: Mal werden die Geflüchtete halt thematisiert politisch thematisiert um halt so eigene Interessen nach vorne hervorzuheben.
00:24:12: mal werden wir so ein Spielball zwischen Ländern hin und her geworfen Und deswegen umso mehr trauriger ist das für mich weil ich denke so Wenn ich in meinem Land wäre oder in einem Land hätte, wo ich dann so wirklich zugehörig fühle oder fühlen würde, wäre ich stolz darauf jeden Menschen der bei uns Hilfe sucht zu helfen.
00:24:33: Ich weiß aber auch ganz genau dass alle Menschen nicht so gleich sind.
00:24:37: Es gibt diejenigen die halt so etwas schaffen wollen.
00:24:41: es gibt aber auch diejenigen, die entweder traumatisiert sind Ob es deutsch oder syrisch, kurdisch oder arabisch ist.
00:24:48: Es gibt halt einfach Menschen die Probleme machen oder etwas Schlimmes verursachen.
00:24:54: Das heißt aber nicht dass das alle Kurden so sind.
00:24:56: Das heißt nicht Aber dass alle deutsche so sind.
00:24:59: wenn ich mir Die deutsche auf Mallorca sehe sage Ich auch Nicht Dass das Alle Deutsche Sind.
00:25:04: Die Da Halt Immer wieder Für Schlagzeilen.
00:25:08: Ich verstehe, was du meinst.
00:25:10: Wie ist das denn?
00:25:11: An was für Punkten merkst du das persönlich, dass die deutsche Gesellschaft, das deutsche Politik Leuten wie dir heute anders begegnet als in den ersten Jahren?
00:25:19: Wir sprechen jetzt gerade von der Politik und jedes Mal wenn eine Entscheidung getroffen wird also auch bei Wahl oder Wahlkampf und so... sind wir Geflüchtete so ein großes Thema, obwohl auch andere soziale Themen gibt wo wir wirklich alle zusammen mal anpacken sollten oder was Rentner und Rentnerinnen angeht.
00:25:40: Allein dieser Punkt lässt mich einfach nur daran glauben, werde ich jetzt wieder genutzt?
00:25:46: Warum bin ich in irgendeiner Schublade?
00:25:50: Es passiert irgendwo anders, ja der Geflüchtete ist wieder schuld.
00:25:53: Deutschland hat wenig Geld oder hat zu hohe Schulden.
00:25:56: sind wir es wieder schult?
00:25:57: warum sieht man nicht das?
00:25:59: zum Beispiel ich bin einer derjenigen oder einer von vielen der vor zehn Jahren insgesamt neun Jahre Arbeit und Steuern zahlt?
00:26:07: Warum muss sich immer so als Zielscheibe immer wieder nach vorne hervorgehoben werden und muss ich mich für alles verantwortlich fühlen obwohl es geht gerade der ganzen Welt wirklich schlecht.
00:26:19: Es gibt heute eben wirklich nicht so wenige in Deutschland und auch in Europa.
00:26:23: Und auch in der ganzen Welt USA gutes Beispiel, die Stimmung machen gegen Geflüchtete, gegen Migrantinnen, gegen Asylanten.
00:26:31: Was würdest du denen gerne mal sagen?
00:26:32: Ich würde den Mann gern sagen sieht jeden Menschen als Mensch und nicht als Geflüchteter oder Nicht-Geflüchteter.
00:26:39: Wer weiß woher oder warum diese Menschen geflüchtet sind?
00:26:43: Die suchen ja Schütz.
00:26:44: Mir tut das immer wieder leid, wenn ich irgendein Spruch von jemanden höre, ihr Geflüchtete die Geflüchteten oder oder oder.
00:26:51: und da denke ich mir so Wenn ich ein Deutscher wäre Ich wäre so dankbar dafür für mein Land dass so viele hilfssuchende Menschen aufgenommen hat Und wirklich Hilfe angeboten hat.
00:27:02: Am Ende wer daraus was macht Oder wer daraus etwas schafft Das ist seine Sache.
00:27:06: aber Es wichtig ist es, dass du menschlich bist und menschlig auch bleibst.
00:27:11: Egal was passiert, egal wie die Politik sich entscheidet, egal, wie die Welt sich verändert.
00:27:16: also ich möchte... Ich hoffe nicht das Deutschland irgendwann genauso wie in der USA jetzt auf Geflüchtetenjagd gehen und immer wieder so zu Todesfällen kommt weil das würde mich so richtig von der Demokratie so ja abschrecken.
00:27:33: Es gibt ja auch noch einen Punkt den wir dringend bedenken müssen, nämlich dass Deutschland ja immer diesen viel zitierten Fachkräftemangel beklagt einerseits und dann aber nicht sieht das viele Geflüchtete ganz wichtige Jobs machen.
00:27:48: Definitiv!
00:27:49: Also die Geflüchteten sind überall.
00:27:51: man sieht heute in der Politik bei der Entscheidung im großen Firmen Man sieht die geflüchteten heute wirklich als ein Erfolgsbeispiel.
00:28:00: Das heißt aber auch nicht die Einheimischen kein Erfolg erreicht haben, sondern sie haben uns unterstützt diesen Punkt zu erreichen und darauf sollten wir doch alle so froh und stolz sein.
00:28:13: Eben ist natürlich schon ein bisschen was wie eine Enttäuschung angeklungen bei dir.
00:28:18: Warum schmeißen die uns alle in eine Schublade?
00:28:22: Warum werde ich mit da irgendwelchen Verbrechern dann über einen Kamm geschoren?
00:28:27: Einerseits andererseits sagst du ja auch immer... Da ist eine große Dankbarkeit.
00:28:32: Ich bin total dankbar auf Deutschland und auch vielen Menschen hier gegenüber, du hast immer gesagt, du möchtest etwas zurückgeben.
00:28:40: Warum?
00:28:41: Und was willst du zurück
00:28:42: geben?".
00:28:42: zurückgeben möchte ich auf jeden fall helfen.
00:28:45: also steuern zahl ich sowieso.
00:28:47: aber das ist nicht dass was für mich zählt sondern was für mir zählt es ist diese menschlichkeit die uns am anfang und bis heute noch teilweise begegnet wird möchte ich sie zurück geben.
00:29:00: und da gucke ich nicht welche hautfarbe geht jetzt gerade wie vor mir steht oder welche haarfarbe oder welchen namen oder welche glaube.
00:29:07: da guck ich welcher mensch das ist und sage hier meine hand ich kann dir helfen wie auch immer auf welche Art und Weise.
00:29:15: Also da mache ich keine Ausnahme, ich helfe immer!
00:29:17: Und das ist das was ich zurückgeben möchte weil... Ich denke nur so man hat uns so beigebracht Wenn du etwas Gutes bekommst musst du wieder zurück geben damit du das wiederbekommst.
00:29:27: und so lebst du immer.
00:29:28: Du gibst was Gutes und bekommest es wieder zurück.
00:29:31: und ich denke wenn wir alle so leben würden dann gibt's auch keinen Platz für etwas Böses.
00:29:36: Du versuchst das auch ganz konkret und zwar in deinem aktuellen Job beim Verein AVP in Düsseldorf.
00:29:43: Wofür steht AVP?
00:29:44: Was ist das für ein Verein, was arbeitest du da?
00:29:48: Also AVP steht für Akzeptanz Vertrauen Perspektive.
00:29:54: Ich arbeite da sehr, sehr gern.
00:29:56: Weil das was ich im Leben gelernt habe und gesehen hab kann ich dort umsetzen.
00:30:00: und auch meine ehrenamtliche Tätigkeiten seitdem ich in Deutschland bin haben mich wirklich da im sozialen Bereich so weitergebracht und das Ziel ist es noch soziale Arbeit zu studieren.
00:30:13: Ich muss auch erstmal nur ein bisschen dazu kommen.
00:30:15: Was ich da mache?
00:30:16: Ich arbeide in unterschiedlichen Projekten.
00:30:18: eins ist der Familienberatungsbereich.
00:30:23: Ich gehe dazu Familien, die türkischsprachig sind oder auch kurdisch- oder arabisch.
00:30:27: Er spreche halt all diesen Sprachen und unterstützt sie bei Unterlagen für Kinder in der Schule Probleme was auch immer.
00:30:36: also es ist halt so Familienberatung.
00:30:39: Und dann arbeite ich noch in einem Projekt namens exchange.
00:30:42: da machen wir halt so leisten wie eine Arbeit für eine inklusive Gesellschaft im Düsseldorf.
00:30:46: das heißt Viele Menschen mit Migrationshintergrund kommen zu uns und wir versuchen durch Podcast oder natürlich eine Ausstellung, also Kunstausstellung oder ein Theaterstück versuchen wir halt diese Geschichte nach vorne zu holen.
00:31:01: Und den Menschen zu zeigen.
00:31:02: so ey das ist meine Geschichte aber ich gehöre trotzdem zu Deutschland.
00:31:06: Das allerwichtigste Projekt für mich ist es Jugenddialoge und dahin gehe auch immer mit meinem Chef.
00:31:12: Mein Chef ist selber Jude und ich bin ein geborener Moslem Und wir gehen da zusammen auf Jugendfreizeiteinrichtungen, Schulen – wo auch immer.
00:31:22: Wir erzählen von unseren Erfahrungen und von unseren Glauben beide und versuchen dass wir als jüdische Community uns mehr kennenlernen und dann wirklich zusammenhalten und gegen Gewalt und Hass etwas bewirken.
00:31:38: Und da kann ich mir jetzt vorstellen, dass es oft richtig schwer ist.
00:31:41: Also ich weiß das von arabischstämmigen Jugendlichen.
00:31:44: wenn die das Wort Israel hören dann gehen sie sofort an die Decke.
00:31:48: Juden haben vielleicht wirklich auch Berührungsängste mit Arabischen Jugendlichen.
00:31:54: Wie geht ihr damit um?
00:31:56: Also wenn wir da reingehen, egal wo auch immer wie wir uns befinden.
00:32:01: Ich sage immer sofort Leute ich bin nicht hier um einen Krieg zu beenden!
00:32:04: Ich bin nicht hereum ein Konflikt irgendwie jetzt eine Lösung anzubieten... ...ich bin hier um mich und meinem Freund Sergei der jüdisch ist uns vorzustellen und euch anzubieten, dass wir einfach miteinander reden.
00:32:18: Kriege werden wir nicht beenden können!
00:32:21: Wir sind einfach Menschen wie wir alle.
00:32:23: so, wir sind keine Politiker, wir sitzen nicht am Entscheidungs-Tisch aber was wir machen können ist es für Frieden zu sorgen in der Gesellschaft unter
00:32:31: uns.".
00:32:31: Wir versuchen, dass das so wirklich so friedlich läuft und bis jetzt muss ich sagen ist es immer friedlich gelaufen.
00:32:38: Es gab immer wieder Menschen die so ein bisschen skeptisch waren gegenüber Sergei aber dann am Ende wirklich mit einer Umarmung rausgegangen sind.
00:32:46: und am Ende haben dann Sergei und Ich gesagt hey!
00:32:48: Das ist das schöneste was wir erreichen.
00:32:50: Immer dass sich Leute trauen miteinander zu sprechen Themen zu besprechen, zusammen zu kochen.
00:32:57: Zusammen zu essen und wir stellen jedes mal dabei fest dass viele der Menschen nichts über Judentum wissen.
00:33:05: und ich kann heute sagen es gibt so viele Gemeinsamkeiten zwischen Judentom und Islam was ich auch vorher selber nicht wusste und warum ich das hier für wichtig halte.
00:33:15: bis ich siebzehn Jahre alt war habe ich Juden selber leider gehasst.
00:33:19: Ich hab' das auch nicht anders gelernt in der Schule oder Moschee.
00:33:24: Jude sein war eine Beleidigung für andere.
00:33:27: Wenn du jemanden beleidigen möchtest in Syrien, war halt sie so als Jude zu bezeichnen und das war selbstverständlich in Syrin.
00:33:35: aber als ich dann aus Syrien rauskam und ein bisschen mehr oder weit die Welt sehen könnte oder verstehen konnte habe ich dann alles so durch den Kopf gehen lassen hab mir gedacht eigentlich gibt es auch überhaupt keinen Grund jemandem zu hassen.
00:33:50: und dann kam die erste, zweite und dritte Begegnung mit jüdischen Menschen.
00:33:53: Und da habe ich mir gedacht so okay, siebzehn Jahre Hass ohne Grund.
00:33:57: was auch leid ich konnte nichts für.
00:33:59: Ich hatte auch kein Internet oder keinen Buch um darüber zu lesen.
00:34:03: Da habe ich mich gedacht ich muss etwas machen um ein bisschen Aufklärungsarbeit zu leisten.
00:34:09: Hass sollte kein Platz zwischen uns Menschen finden.
00:34:12: egal was auch immer der Grund ist es soll keinen Hans geben Es soll einen Dialog geben zwischen uns.
00:34:18: am besten.
00:34:19: Für einen Dialog gehört natürlich dazu, dass man miteinander spricht.
00:34:23: Es gibt vielleicht noch was wie so ein Rezept – das ist wirklich gelingt, dass ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammenkommen sich austauschen und lernen, wenn nicht gleich zu verstehen aber sich wenigstens gegenseitig zu akzeptieren.
00:34:41: Was gehört da noch zu?
00:34:43: sich mehr kennenzulernen, darüber zu erzählen.
00:34:45: Das war ja mein Motto auch ganz am Anfang Deutsch zu lernen um mich auf Deutsch vorstellen zu können und so sagen zu können woher ich komme wer ich bin was meine Kultur so... Was in meinen Kulturrück sagt alles drin ist euch zu zeigen so guck mal wo haben wir gelebt?
00:35:00: So möchten wir halt so sein oder so waren wir Und ich bin auch bereit, das andere auch anzunehmen.
00:35:08: Weil ich möchte jetzt nicht sagen dass ich mein Kurde sein vergessen müsste und überhaupt nicht.
00:35:14: Ich trage es immer noch mit mir und werde auch bis zum Sterben mit mir tragen.
00:35:18: aber auch bin auch froh dass ich sagen kann Deutscher sein kann ich auch mit mir Tragen und das ist unser Motto.
00:35:25: so halt wenn wir dahin gehen und solche sage ich mal große Themen ansprechen gehen wir direkt auf die Menschlichkeit und nicht auf das, was im Koran oder Tudat oder in der Bibel steht.
00:35:42: Sondern in dem, was wir halt miteinander so besprechen und wir lassen alles andere mal auf der Seite.
00:35:48: Das Besprechen ist das ein und du hast es auch gesagt ganz wichtig ist auch etwas zusammen machen.
00:35:52: Ich glaube ihr spielt zusammen Theater, kocht zusammen... Das verbindet auch.
00:35:57: So kommen wir halt alle untereinander oder miteinander und agieren auch zusammen, das stärkt den Zusammenhalt und nicht der Spaltung- oder Ausgrenzung quasi.
00:36:08: Wir müssen jetzt noch über was sehr Schwieriges sprechen.
00:36:12: Wir haben es gehört, dass du deine Heimat verlassen musstest.
00:36:14: Das hatte maßgeblich dann auch damit zu tun, was damals in Syrien passiert ist, das Jahr zeigte.
00:36:20: Der Bürgerkrieg ist ausgebrochen und der damalige Machthaber Bashar al-Assad hatte wirklich jahrelang seinen Volk drangsaliert unterdrückt, foltern und morden lassen.
00:36:30: die Kurden wie die anderen Minderheiten auch sehr gelitten.
00:36:34: Ja, und dann war er plötzlich weg.
00:36:35: Dezember, zwanzig noch gar nicht so lange her gestürzt von einem Islamistenführer der sich heute gemäßigt gibt und wieder mit seinem bürgerlichen Namen Al-Sharah nennen lässt.
00:36:47: Und dann kam sofort ... Assad war nicht einen Tag weg, kam gleich der Ruf aus den reinen gewisser Politiker hier in Deutschland.
00:36:54: Ah!
00:36:55: Assad ist weg.
00:36:55: jetzt könnt ihr Sügra doch alle schnell nach Hause?
00:36:59: Wie war das für dich und was sagst du dazu?
00:37:02: Das Erste, woran ich damals gedacht habe, habe ich in diesen zehn Jahren alles umsonst gemacht.
00:37:10: Habe ich die Frage falsch beantwortet, die ich immer mal gehört habe?
00:37:14: So Renas.
00:37:15: Wenn der Krieg vorbei ist, möchtest du zurückgehen oder möchteste hier bleiben?
00:37:18: Fühlst Du Dich Deutscher oder Kurde?
00:37:21: Habe Ich das alles falsch verstanden?
00:37:23: Weil ich darauf immer geantwortet habe, ich würde gerne selber entscheiden und ich möchte gerne auch hierbleiben!
00:37:29: Ich will mich zu Hause und es ist nicht schön jemanden von seinem Zuhause zum zweiten Mal noch zu vertreiben.
00:37:36: Das haben wir bei einem kleinen Kind auch letztes Jahr, das abgeschoben wurde gesehen.
00:37:42: Die Polizei ging rein und meinte so aufwachen jetzt geht's hier weg.
00:37:47: Und dann hat er es gesagt wohin gehts denn?
00:37:49: Dann hat der Polizist gesagt ja es geht nach Hause!
00:37:54: Und dann hatte sie gesagt ich bin aber zuhause.
00:37:57: Und wenn man halt daran denkt, dass die Menschen wirklich wirklich teilweise sich hier zu Hause fühlen und dann zum zweiten Mal darüber nachdenken.
00:38:05: Oh es könnte sein das wir abgeschoben werden und dann irgendwo von null an anfangen müssen.
00:38:10: ich bin jetzt fast dreihunddreißig und wenn ich in dieser Gefahr mal bin oder sein werde irgendwann abgeschoben zu werden Ich kann es so wie ich das in Deutschland geschafft habe würde ich das ihnen der Wüste auch bestimmt schaffen egal wo.
00:38:23: Aber trotzdem stelle ich mir die Frage, ich habe an die Menschlichkeit geglaubt.
00:38:27: Ich hab' an die Grundgesetze in diesem Land geglaubт und jetzt passiert aber etwas was von heute auf morgen so... Und vor allem der sogenannte Übergangsregierungschef.
00:38:41: das ist jemand, der sagt Christen sind Ungläubige!
00:38:45: Juden sind ungläubig!
00:38:46: Muslime, die nicht so niedlich sind, sind ungläubiger!
00:38:49: Alles was ein Tattoo oder Alkohol-Trik ist unglaublich, alles muss vernichtet werden.
00:38:54: Wir bleiben nur wir!
00:38:56: Also soll man uns dann zu dieser Person abschieben?
00:39:01: Das ist ja das, was eine ganze Reihe von Politikern und Politikerinnen im Moment hier in Deutschland sagen.
00:39:06: naja da ist jetzt alles in Ordnung.
00:39:07: Syrerien braucht die Menschen, sie sollen ihre Heimat wieder aufbauen.
00:39:12: Das ist in deinen Augen sehr schräg.
00:39:15: Ja, ich frage mich könnte man Heimat nur dann halt mit Steinen aufbauen?
00:39:19: Ich muss da hingehen um Stein auf Stein zu setzen und aufzubauen.
00:39:23: oder kann ich auch die Bildung, die ich hier bekommen habe in Deutschland nicht auch nach Syrien liefern zum Beispiel ohne dass ich da abgeschoben werde weil Syrien?
00:39:32: um wie in Deutschland zu leben brauche ich in Syrien noch vielleicht fünfhundert Jahre.
00:39:37: dass wir als Gesellschaft so wirklich fortgestritten sind, brauchen wir hunderten von Jahren.
00:39:43: Syrien war vielleicht mal ein Land wo halt viele zusammenleben könnten aber als Minderheit oder also Minderheiten wie Aleviten oder Drusen oder jetzt Yersiden Kurden.
00:39:56: es ist kein Platz mehr für uns in Syrien.
00:39:58: entweder beschützen wir uns selbst oder es passiert ganz Schreckliches mit uns und das sehen wir auch gerade.
00:40:04: Du sagst, es ist ja gerade in deiner Heimatregion.
00:40:08: Afrin ist deine Heimatstadt im syrischen Teil Kurdistanz wieder sehr viel Unruhe in diesen Tagen und Wochen.
00:40:15: die Kurden kämpfen da wirklich gegen die syrische Armee von Al-Sharah.
00:40:19: dann gibt's immer wieder Abkommen.
00:40:21: man weiß noch nicht wirklich wie wird das werden wirkt alles sehr prekär ein echtes hin und her.
00:40:27: Ja mit was für Gefühlen beobachtest du das?
00:40:29: Mit Sorge Zumal meine Schwester auch da ist, aber jeder bedrohte Mensch egal von welcher Minderheit es ist.
00:40:36: Auch mein Bruder und meine Schweste, meinen Vater und meine Mutter.
00:40:39: also ich fühle mit all diese Menschen die unter jetzt wirklich dieser terroristischen sage ich mal Übergangsregierung da ist und herrscht.
00:40:48: Ich fühle mit jedem, der da in Angst lebt.
00:40:51: aber genau diese Angst die jetzt dort gelebt wird, lebe ich auch hier weil es könnte jeder Moment sein dass ich einen Anruf bekomme.
00:40:58: so ist mit deiner Schwester passiert und da frage ich mich mal dann auch okay was mache ich jetzt?
00:41:03: also wie soll ich jetzt irgendwie unterstützen von hier aus außer halt mit Bildung Geld hin und her, aber Geld ist nicht alles.
00:41:13: Wir können Millionen dahin schicken als Kurden von hier aus.
00:41:17: Aber das wird nicht die Menschen weiterentwickeln sondern vielleicht Häuser und so.
00:41:22: Das ist in meinem Augen nicht alles was wir
00:41:24: brauchen.".
00:41:25: Und weil es im Moment sehr schwierig ist und ihr alle in riesiger Sorge seid um eure Angehörigen vor Ort gehst du und gehen viele Kurden in diesen Tagen in Deutschland auf die Straße?
00:41:39: Wofür demonstriert ihr?
00:41:41: Wir demonstrieren für die Freiheit, für die kurdische Bevölkerung.
00:41:45: Weil wir haben unter Al-Assad gelitten, im Jahr zwei Tausendvier haben wir Kodistan weit in Syrien quasi demonstrierte gegen das Regime und wir wurden dann von heute auf morgen wirklich fast massakriert, also es wurden Menschen getötet auf der Straße und dementsprechend war das schnell wieder weg.
00:42:06: Und wir haben aber nicht damit aufgehört.
00:42:07: Wir haben immer wieder demonstriert gegen das Regime bis zum Jahr zwei Tausend Elf wo halt dieses Bürgerkrieg kamen.
00:42:16: Ich als Kurde sage ich wollte auch nicht Teil diesen Bürgerkriges sein!
00:42:20: Warum soll ich jetzt meinen arabischen Nachbar oder mein christlichen Nachbar jetzt töten, weil er gegen Al-Assad demonstriert?
00:42:27: Das machte für uns auch alle keinen Sinn.
00:42:29: Deswegen haben wir uns auf die Selbstverwaltung entschieden.
00:42:33: Wir beschützen uns und man kann selber nachschauen Die Kurden in Syrien haben noch bis heute kein Krieg angefangen außer einen Krieg und das war gegen IS Und das haben sie auch sehr, sehr mit großem Erfolg geschafft.
00:42:48: Aber nachdem Sie leider zwanzigtausend Menschen verloren haben in diesem Kampf und ich konnte dir so viel Schreckliches erzählen aber warum ich hier auf der Straße gehe?
00:42:57: Damit die Stimme meiner Schwester hier gehört wird.
00:42:59: Damit nicht mehr mit dieser Regierung gehandelt wird.
00:43:02: Die haben Terroristen unter sich, die haben Hunderte IS-Kämpfer befreit und Armee quasi Outfits gegeben damit sie mitkämpfen.
00:43:12: die sagen offen auf der Straße, auf Arabisch was man halt als deutscher nicht versteht.
00:43:16: Es ist die Rache das ihr damals CNES besiegt habt und jetzt werden wir euch trotzdem wieder köpfen wie damals.
00:43:25: Was wünscht ihr euch?
00:43:27: Ihr Kurden, die hier in Deutschland auf die Straße geht von der deutschen Regierung?
00:43:30: Wie sollte sie sich jetzt verhalten?
00:43:32: Das ist ja nicht ganz leicht!
00:43:33: Als Chara ist ja jetzt der Präsident.
00:43:36: Also ich würde das erst mal als Deutscher beantworten als Deutschkurde.
00:43:42: Ich wünsche mir von der Regierung, dass so ein Verbrecher nicht nach Deutschland eingeladen wird.
00:43:46: Weil wie gesagt eben ich glaube an das Grundgesetz und das Grundegesetz soll mich beschützen.
00:43:54: Terroristen, der bis heute noch sagt ich bin stolz auf meine Vergangenheit und seine Vergangenkeit war wo er von Europa und von der ganze Welt als Terrorist eingestuft war.
00:44:05: Er sagt das bis heute in jedem Interview Ich Bin Stolz Auf Meine Vergangenheid Und Das heisst ich bin immer noch mit dieser Ideologie aber jetzt habe ich nicht mehr so einen langen Bart.
00:44:13: Jetzt Habe Ich Einen anzug an und Trotzdem bin ich stolz Auf das was ich vorher gemacht habe dass heißt er hat vor zwei Wochen auch von von Europas, sechshundertachzig Millionen Euro oder US-Dollar bekommen.
00:44:27: Damit will er Syrien aufbauen?
00:44:29: Nein!
00:44:29: Niemals.
00:44:31: Damit würde seine Milizen weiter bewaffnen und gegen die Minderheiten steuern.
00:44:35: Das macht der ja.
00:44:36: Das haben wir bei den Drußing gesehen, das haben wir alle Witten gesehen.
00:44:39: Das sehen wir auch jeden Tag beim Kurden.
00:44:42: Und was ich noch sagen wollte, heute habe ich auch im Internet geschaut und gesehen dass die Christen in Syrien einen großen Aufruf angefangen haben um sichere Wege aus Syrien für sie wegzuschaffen weil sie können nicht mehr in Syrer leben.
00:44:55: Das tatsächlich also wortwörtlich Sie können in Syrin nicht mehr schaffen Leben und sie wollen sichere wege ums Aussyren rauszukommen.
00:45:03: Also es ist eine sehr sehr prekäre Situation für alle Minderheiten
00:45:08: Die Christen
00:45:08: genauso wie für euch Die ihr Kurden seid?
00:45:11: Definitiv.
00:45:13: Unsere Zeit geht so langsam zu Ende, ich würde gerne noch von dir wissen du machst so viel!
00:45:17: Du arbeitest fulltime, du unterstützt deine Eltern, du hast auch noch ehrenamtliche Engagements.
00:45:23: jetzt setzt du dich für die Freiheit in Kurdistan ein.
00:45:25: woher nimmst du die Kraft und die Energie?
00:45:29: Dynamisch indem ich die Menschlichkeit im Vordergrund stelle.
00:45:33: und Frieden Mein Mutter habe ich ja gesagt, Frieden für alle.
00:45:37: Und solange... Ich sage immer, ich bin ein Freiheitskämpfer aber nicht mit einer Waffe sondern mit meiner Stimme, mit meinen Sprachen und meinem Kugelschreiber.
00:45:45: Das ist alles.
00:45:46: meine... Also ich hab einen Heft das ist... Ich sag immer dass es meine Waffe und ein Kugelschreiber ist meine Munition und damit schaff' ich viel mehr als mit Waffen für einen Krieg.
00:45:58: Und was ich eben vergessen habe zu sagen, Ich gehe nicht nur für Kurdes dann demonstrieren.
00:46:03: Ich war oft gegen der AfD demonstriere.
00:46:05: Mit meinem jüdischen Freund auf einem Friedensmarsch auch in Düsseldorf unterwegs.
00:46:11: Ich solidarisiere mich mit allen Menschen die halt wirklich irgendwie gerade in einer schlimmen Situation sich befinden.
00:46:20: Renas!
00:46:21: Was wünschst du dir jetzt erstmal vielleicht ganz konkret für hier und jetzt?
00:46:26: Für hier und jetzt wünsche ich mir, dass wir mehr die Chance bekommen zu sprechen.
00:46:33: Dass man mit uns redet von der Politik oder von den Medien, dass sie wirklich uns mal auf die Bühne holen und sagen, erzähl du mal wie ist es denn in Syrien?
00:46:43: Wie ist es dann in Kurdistan?
00:46:45: In Deutschland als Geflüchteter zu leben oder als jemand, der sich auch als Deutscher identifiziert oder fühlt redet mit uns, weil wenn wir irgendwas in Deutschland oder in der Gesellschaft schaffen wollen dann schafft ihr es nicht allein wie ist aber auch nicht.
00:47:01: Wir schaffen es erst, wenn wir wirklich zusammenhalten und Deutschland als unser Zuhause sehen.
00:47:07: so schaffen wir es Und das ist was ich mir wünsche
00:47:10: Das ist dein Wunsch für die nähere Zukunft.
00:47:12: Wenn du jetzt weiter in die Zukunft denkst Was würdest Du da sagen?
00:47:17: Ich würde da sagen ich wünsche für alle Kurdinnen und Kurden Frieden Aber nicht nur für alle Menschen, wünsche ich Frieden.
00:47:26: Ich wünschte dass dieser Welt irgendwann mal keine Grenze mehr hat und jeder entscheiden kann wo er leben möchte.
00:47:32: natürlich im Rahmen der Menschlichkeit sage ich mal Und ich wünsche mir auf jeden Fall das ich soweit irgendwann mal schaffe auch in der Politik Veränderung zu schaffen und zwar nicht jetzt negativ oder so gemeint sondern damit ist gemeint dass ich auch mitentscheiden darf vielleicht irgendwann auch sagen kann so, ey das ist gut und dass es vielleicht nicht gut.
00:47:56: Also einfach banale und einfach gesagt weil wir sind doch ein Teil von Deutschland und warum sollten wir dann auch wirklich nicht mithelfen hier sage ich mal die Gesellschaft aufzubauen?
00:48:08: Ich könnte mir noch so vieles wünschen aber ich glaube die Zeit wird uns jetzt ein bisschen bringen
00:48:13: Wenn all diese Wünsche in Erfüllung gehen von Frieden für alle und eine grenzenlose Gesellschaft, das wäre schon ziemlich viel.
00:48:20: Das ist im Moment eine Vision aber Vision brauchen wir auch.
00:48:23: Renas Sido war das zu Gast bei Himmel klar Danke für deine Zeit danke dass du da warst
00:48:29: Dankeschön
00:48:30: Und bei euch allen bedanke ich mich fürs Zuhören.
00:48:32: himmel klar hört ihr alle vierzehn Tage mittwochs abends ab neunzehn Uhr im DOMRADIO und jederzeit als Podcast unter domradio.de katholisch.de oder überall da, wo es Podcasts gibt.
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